Anschließend fuhren wir wieder auf den Kraterrand und weiter zu der im Südosten der Insel gelegenen Ortschaft 'Nikai'. Hier hat man aus der Höhe noch einmal eine tolle Aussicht auf den kleinen Krater und ganz Nisiros. Um 13 Uhr waren wir wieder beim Boot zurück. Nach einem kurzen Snack legten wir ab. Unser Ziel war der antike Hafen 'Knidos' an der äußersten Südwestspitze der Türkei. Wir erreichten 'Knidos' gegen 16 Uhr. Wie angekündigt ist der Ankergrund schlecht und wir brauchten über ein Dutzend Ankerversuche an mehreren Stellen bis wir endlich Halt fanden. Die ganze Bucht ist relativ flach und wir überprüften bei dieser Gelegenheit durch Handloten die Kalibrierung des Schiffslotes. Anschließend kochten wir und hofften auf eine Wetterbesserung für die nächsten Tage.
Montag 26. Oktober
Während des Frühstücks braute sich ein Gewitter zusammen. Als dann heftige Böen bis über 40 Knoten und starker Regen über die Bucht hereinbrachen, waren wir mit laufender Maschine reaktionsbereit, denn es war zu erwarten, dass der Anker nicht halten würde. Unser Nachbar wollte gleich ganz auslaufen. Und zwar der Skipper alleine! Er konnte bei seiner Sun-Odyssey den Anker vom Cockpit bedienen - ein wie ich finde in solchen Fällen absolut gefährliches Utensil, denn am Steuer hat man keinerlei Gefühl oder Sichtkontrolle über den Anker.
Beim Einholen des Ankers, das der Skipper der anderen Yacht (mit deutscher Flagge!) bei der vorliegenden Situation sinnvollerweise in Rückwärtsfahrt gegen den Wind und mit Hilfe von wenigstens einem Crewmitglied hätte machen müssen, trieb er in unsere Richtung ab und zog dabei seine Kette über unseren Anker, der sich natürlich in der Kette verhakte. Nur wenig später ging ein Ruck durch beide Schiffe. Wir hingen mit 40m stramm oberhalb der Wasserlinie gespannter Ankerkette an seinem Bug! Den Ruck hatte der Skipper wohl bemerkt, sich diesen aber zunächst vermutlich mit einem Verhaken seiner Kette am Grund erklärt. Und alles Schreien von uns gegen den Sturm nützte natürlich nichts.
Beide Schiffe kamen sich jetzt näher und wir mussten uns in das flacher werdende Wasser abfallen lassen, um eine Kolliosionsgefahr der Schiffe bei den heftigen Böen zu vermeiden! Bis der Spezialist das Problem endlich erkannt hatte und unser Anker endlich abgeworfen war, waren wir soweit abgetrieben, dass wir auf Grund liefen. Jetzt ließen der Gewittersturm und damit auch die einlaufende Dünung nach, wodurch sich die Wassertiefe verringerte und wir noch heftiger aufsaßen.
Der Tiefenmesser zeigte nur noch 1,2m Tiefe, was real 1,5m entsprach. Zu wenig für unsere Bavaria mit 1,8m Tiefgang - ein Freikommen mit Maschine war so nicht mehr möglich!