Am Kai des kleinen Hafens waren alle Plätze bereits belegt. Wir fanden jedoch eine herrenlose Mooring-Boje, die wir bei dem Wind von permanent über zwanzig Knoten dem Anker vorzogen.
Jetzt das Segel schon herauszunehmen, schien wenig sinnvoll. Wir fuhren deshalb an Land und riefen bei Tzennet-Yachting an. Man versprach uns, am kommenden Morgen ein Segel mit der Fähre zu schicken. Etwas ungläubig über solch prompten Service erkundigten wir uns nach dem Fahrplan. Die Fähre sollte dienstags um 10:30 Uhr eintreffen. Bei der Rückfahrt, nun mit dem Dingi gegen den Wind, wurden wir noch komplett geduscht. Lecker zubereiteter Fisch entschädigte dann aber für die Mühen und Hindernisse des Tages und gegen 21:00 Uhr ließ auch der Wind etwas nach.
Pünktlich um 10:30 Uhr waren wir am Fähranleger und die Fähre legte wenig später kurz an. Zu unserem größten Erstaunen war tatsächlich ein verpacktes Segel mit der Aufschrift "Meridien" an Bord. Da der Wind im Laufe des Vormittags schon wieder stark zugenommen hatte und keine Yacht ausgelaufen war, also alle Kaiplätze weiterhin belegt waren, entschieden wir uns, wie geplant nach Paros zu segeln, um das Segel in dem größeren Hafen dort zu wechseln.
Während der Überfahrt bei idealem Halbwind kamen wir nun auch erstmals in offenere Gewässer und die See wurde deutlich rauher. Bei weiterhin strahlend blauem Himmel, 30 Grad und einem tadellos laufenden Schiff (ideal die zwei Steuerräder!) hatten alle ihren Spaß - bis auf Birgit. Weniger aufs Sportsegeln aus, hatte sie am Vortag schon Probleme, die sie allerdings noch gut versteckt hatte. Jetzt aber wurde es ihr zu heftig. Bei ab Mittag gut 30 Knoten Wind (Windstärke 7) und einer kurzfrequent seitlich einlaufenden See mit zwischendurch immer wieder über drei Metern und reichlich Spritzern bekam sie einfach Angst. Da halfen auch keine Erklärungen über Unsinkbarkeit, Physik usw. oder der Vorschlag Rettungsweste und Lifeline anzulegen. Sie schaffte es aber schließlich, die Überfahrt unter Deck und ohne größere Übelkeit hinzubekommen.
Als wir gegen 16:30 Uhr in Paros ankamen, hatte sich der Wind auf 15 Knoten abgeschwächt - gut, um das Segel zu wechseln. Doch auch hier war der Hafen restlos belegt. Also ankerten wir in der Bucht und hofften auf den nächsten Morgen. Beim Landgang diskutierten wir, wie es mit Birgit und ihrem Mann Thomas nun weitergehen solle, da die Wetterlage stabil und starker Wind auch für die Fahrt bis Santorin zu erwarten war. So kamen wir zu dem Schluss, dass die beiden für die Überfahrt lieber die Fähre nehmen sollten.
Am Mittwoch standen wir früh auf und wie bestellt lief gegen 9 Uhr ein Segler aus. Wir lichteten sofort den Anker, doch - oh Gott! Kurz bevor der Anker an Bord war, gleich nach Durchlaufen der Umlenkrolle (wenn kurzzeitig hohe Kräfte fast im rechten Winkel ziehen), brach der Schäkelbolzen und der Anker fiel unvermittlelt ins über 6m tiefe Wasser ! Ein schwarzer Anker auf dunklem Schlick. Natürlich hatte das Boot auch schon leichte Fahrt und wir begannen gar nicht erst darüber nachzudenken, das Unmögliche zu probieren. Wolfgang behauptete übrigens später steif und fest, der Anker habe noch "Tschüss!" gerufen und gegrinst, als er in den Fluten verschwand !
Schnell hatten wir im Hafen festgemacht. Während des knapp einstündigen Segelwechsels ging eine zweite Gruppe Einkaufen, die anderen montierten den Zweitanker um. Wir versuchten noch Ersatz für den Zweitanker zu beschaffen, doch der einzige Yachtausrüster der Insel war nicht aufzutreiben. Um 12:00 Uhr war alles fertig und wieder verstaut. Obwohl das Wetter ruhig aussah, wollten Birgit und Thomas dennoch die Fähre nehmen.
Bei vier bis fünf Windstärken kamen wir gut voran. Unterwegs sahen wir eine Fähre und rätselten, ob unsere Freunde wohl an Bord seien - während sie an Deck dieser Fähre überlegten, ob der einsame Segler wohl wir seien. Leider war der Abstand zu groß, sonst hätten sie unseren bunten Hund gleich erkannt: Blaue Genua, jetzt ein grünes Groß und roter Unterwasseranstrich ! In Ios kamen wir noch vor Sonnenuntergang an. Sehr malerisch schmiegt sich eine Kapelle an die Einfahrt der Bucht. Ansonsten ist Ios ähnlich schroff und karg wie Seriphos. Während der Dämmerung machten wir noch einen kleinen Landausflug und genossen herrliche Ausblicke auf die Bucht im letzten Tageslicht.